Vor Beginn einer IVF-Behandlung dient die Hormonanalyse der Frau zwei Hauptzwecken: der Abschätzung der ovariellen Reserve und dem Verständnis der Ausgangsfunktion der Hypothalamus-Hypophysen-Ovar-Achse. Diese Informationen helfen, die voraussichtliche Reaktion der Eierstöcke auf die Stimulation vorherzusagen und festzustellen, ob behandelbare endokrine Störungen vorliegen.
Bei ersten Tests AMH Das AMH-Mangelhormon ist ein Eckpfeiler der prä-IVF-Diagnostik. Es wird von den Granulosazellen kleiner Antral- und Präantralfollikel produziert und spiegelt die Größe des verbleibenden Follikelpools wider. Da der AMH-Wert im Verlauf des Menstruationszyklus relativ geringe Schwankungen aufweist, liefert er eine stabile Schätzung der ovariellen Reserve und ist besonders nützlich, um das quantitative Ansprechen auf die Stimulation, wie beispielsweise die zu erwartende Anzahl an Eizellen, vorherzusagen. Er sagt zwar nicht direkt die Embryonenqualität oder das Schwangerschaftspotenzial voraus, ist aber für die Beratung der Patientinnen hinsichtlich des zu erwartenden Ansprechens und der Zyklusplanung von unschätzbarem Wert.
FSH Und LH Die Messungen erfolgen typischerweise am zweiten oder dritten Zyklustag und geben Aufschluss über die Hypophysenfunktion der Eierstöcke. Der basale FSH-Wert steigt mit abnehmender ovarieller Reserve, was auf eine verminderte negative Rückkopplung durch Inhibin B und Estradiol hinweist. Ein erhöhter FSH-Wert deutet auf eine verminderte Reserve hin und korreliert häufig mit einer schwächeren Reaktion auf die Stimulation. LH ist zwar variabler und allein weniger aussagekräftig, trägt aber dennoch zur Vervollständigung des Bildes der Hypophysenfunktion bei und ist insbesondere bei Patientinnen mit Verdacht auf Ovulationsstörungen oder PCOS-ähnlichen Symptomen relevant, bei denen ein verändertes LH/FSH-Verhältnis auftreten kann.
EstradiolDie Messung des FSH-Wertes, ebenfalls früh in der Follikelphase, ist wichtig für die Kontextualisierung. Ein normaler oder niedriger Estradiolspiegel in Verbindung mit einem normalen FSH-Wert ermöglicht eine zuverlässigere Interpretation der ovariellen Reserve. Ein unangemessen erhöhter Estradiolspiegel zu Beginn des Zyklus kann das FSH künstlich unterdrücken und eine zugrundeliegende verminderte Reserve verschleiern, was, isoliert betrachtet, zu überhöhten Erwartungen führen kann.
Prolaktin und Schilddrüsenfunktionstests, insbesondere TSH Und kostenloses T4Diese Parameter gehören zur Basisdiagnostik, da Störungen in diesen Bereichen den Eisprung, die Einnistung und den Erhalt der frühen Schwangerschaft beeinträchtigen können. Eine leichte Hyperprolaktinämie kann die Gonadotropinsekretion stören, während sowohl manifeste als auch subklinische Schilddrüsenfunktionsstörungen mit schlechteren reproduktiven Ergebnissen in Verbindung gebracht werden. Die Identifizierung und Behebung dieser Probleme vor der Stimulation ist ein einfacher Weg, potenziell reversible Hindernisse für den Erfolg zu beseitigen.
Die transvaginale Ultraschalluntersuchung zur Bestimmung der Anzahl der Antralfollikel ergänzt die Hormondiagnostik um eine entscheidende anatomische und funktionelle Dimension. AFC Die Anzahl der rekrutierbaren Follikel zu Beginn des Zyklus spiegelt sich wider und korreliert gut mit dem AMH-Wert und der ovariellen Reaktion. Wichtig ist, dass die direkte Visualisierung der Ovarien ermöglicht wird, wodurch Asymmetrien, Zysten oder andere Befunde, die den Zykluszeitpunkt oder die Protokollwahl beeinflussen können, erkannt werden können. Stimmen AMH und AFC überein, ist die Sicherheit der ovariellen Reserveeinschätzung hoch; bei Abweichungen helfen Ultraschallbefunde häufig bei der Interpretation.
Bei Frauen mit erfolglosen IVF-Zyklen oder in einem höheren Alter (typischerweise ab 35 Jahren) können erweiterte Hormonuntersuchungen zusätzliche Erkenntnisse liefern. In diesem Stadium geht es nicht nur um die Anzahl der verbleibenden Follikel, sondern auch darum, ob das hormonelle Milieu in den Eierstöcken optimal für deren Entwicklung ist.
DHEA-S DHEA-S ist deshalb von Interesse, weil es als Vorstufe der ovariellen Androgenproduktion dient. Ausreichende Androgenspiegel im Eierstock scheinen das frühe Follikelwachstum und die Expression des FSH-Rezeptors zu fördern. Niedrige DHEA-S-Spiegel wurden in einigen Studien mit einer schwächeren ovariellen Reaktion in Verbindung gebracht, und die Identifizierung eines Mangels kann dazu beitragen, suboptimale Behandlungsergebnisse bei bestimmten Patientinnen, insbesondere bei solchen mit schwacher Reaktion, zu erklären.
Gesamt-Testosteron Und SHBG Zusammen ermöglichen sie die Bestimmung der bioverfügbaren Androgenspiegel. Testosteron spielt in physiologischen Konzentrationen bei Frauen eine permissive Rolle bei der Follikelreifung, während SHBG reguliert, wie viel davon frei und biologisch aktiv ist. Ein hoher SHBG-Spiegel kann zu funktionell niedrigen freien Androgenspiegeln führen, selbst wenn der Gesamt-Testosteronspiegel normal erscheint. Dies kann bei Frauen mit wiederholt geringer Eizellenausbeute oder schwacher Reaktion trotz akzeptablem AMH-Wert relevant sein. Umgekehrt können zu viele Androgene schädlich sein, daher ist ein ausgewogenes Verhältnis wichtiger als eine unkontrollierte Supplementierung.
Zusammengenommen bietet die initiale Hormonanalyse in Kombination mit der Bestimmung der Antralfollikelzahl (AFC) eine solide Grundlage für die meisten ersten IVF-Zyklen und ermöglicht eine realistische Beratung sowie eine rationale Protokollauswahl. Bei Frauen mit vorangegangenen erfolglosen Versuchen oder fortgeschrittenem reproduktiven Alter kann die Erweiterung der Untersuchung um Nebennieren- und Androgenparameter subtilere Faktoren der ovariellen Reaktion aufdecken und zur Individualisierung der nachfolgenden Behandlungsstrategien beitragen. Der wichtigste Aspekt ist, dass kein einzelner Test isoliert interpretiert werden sollte; erst die Integration biochemischer und sonografischer Daten führt zu den klinisch aussagekräftigsten Schlussfolgerungen.
Nichthormonelle Beurteilung
Neben der Hormonanalyse gibt es eine Reihe nicht-hormoneller Parameter, die das Fruchtbarkeitspotenzial und die Fähigkeit, eine Schwangerschaft auszutragen, maßgeblich beeinflussen. Diese werden jedoch in der Erstdiagnostik oft vernachlässigt. Sie verändern zwar nicht direkt die Eierstockreserve oder das Ansprechen auf die Stimulation, prägen aber die biologischen Bedingungen für Einnistung, Plazentabildung und frühe Embryonalentwicklung. Werden sie ignoriert, kann dies dazu führen, dass technisch einwandfrei durchgeführte IVF-Zyklen dennoch nicht zu einer intakten Schwangerschaft führen.
Einer der am häufigsten vernachlässigten Bereiche ist die Stoffwechselgesundheit. Nüchternblutzucker, HbA1c, Nüchterninsulin und grundlegende Lipidparameter geben Aufschluss über die Insulinsensitivität und den kardiometabolischen Status. Selbst eine leichte Insulinresistenz, weit unterhalb der Schwelle eines manifesten Diabetes mellitus, kann die Eizellreifung, die Rezeptivität der Gebärmutterschleimhaut und die frühe Plazentation beeinträchtigen. Hyperinsulinämie verändert die Steroidogenese in den Eierstöcken und erhöht den oxidativen Stress, während eine gestörte Glukoseverwertung in der Frühschwangerschaft das Fehlgeburtrisiko erhöht. Diese Auffälligkeiten treten häufig bei nicht übergewichtigen Frauen auf, deren routinemäßige Laborwerte unauffällig sein können, sofern nicht gezielt danach gesucht wird.
Entzündungs- und Eisenstoffwechselmarker stellen einen weiteren, oft übersehenen, aber wichtigen Bereich dar. Chronische, niedriggradige Entzündungen, die sich in Markern wie hs-CRP, Ferritin oder subtilen Veränderungen des Leukozytenmusters widerspiegeln, werden mit einer schlechteren Einnistung und höheren Fehlgeburtenraten in Verbindung gebracht. Ferritin verdient besondere Erwähnung, da sowohl ein Mangel als auch ein Überschuss problematisch sein können. Eisenmangel kann die Sauerstoffversorgung und die Plazentaentwicklung beeinträchtigen, während erhöhte Ferritinwerte, insbesondere ohne Eisenüberladung, häufig auf entzündlichen oder metabolischen Stress hinweisen, der die reproduktiven Ergebnisse negativ beeinflussen kann.
Der Vitamin- und Mikronährstoffstatus spielt ebenfalls eine oft unterschätzte Rolle. Vitamin D ist der am häufigsten diskutierte, aber nicht der einzige relevante Faktor. Ausreichende Vitamin-D-Spiegel korrelieren in einigen Studien mit verbesserten Einnistungs- und Schwangerschaftsraten, vermutlich durch Immunmodulation und Effekte auf die Gebärmutterschleimhaut. Der Status von Magnesium, Vitamin B12, Folsäure und Jod kann den Energiestoffwechsel, die DNA-Synthese und die Schilddrüsenfunktion beeinflussen, selbst wenn keine manifesten Mangelerscheinungen vorliegen. Diese Mängel verhindern zwar nicht zwangsläufig eine Empfängnis, können aber die Widerstandsfähigkeit in der Frühschwangerschaft beeinträchtigen.
Zusätzliche Tests für Patientinnen über 40 mit wiederholten IVF-Fehlversuchen
Bei Frauen über 40 mit vorangegangenen erfolglosen IVF-Zyklen verlagert diese erweiterte Untersuchung den Fokus von isolierten Hormonkonzentrationen hin zum dynamischen Hormonstoffwechsel und der Stressphysiologie. In diesem Stadium ist die ovarielle Reserve oft bereits eingeschränkt, sodass die Ergebnisse überproportional von der Qualität des endokrinen und metabolischen Milieus beeinflusst werden, in dem die Follikel reifen und sich die Embryonen einnisten. Herkömmliche Serumtests erfassen statische Hormonspiegel, erklären aber nicht, wie Hormone verstoffwechselt und ausgeschieden werden oder mit anderen Systemen wie der Nebennierenachse, den Entgiftungswegen der Leber und der zentralen Stressreaktion interagieren.
Niederländische Tests Die Untersuchung von Hormonmetaboliten im Urin wird empfohlen, da sie Aufschluss über den Östrogen-, Progesteron- und Androgenstoffwechsel gibt und nicht nur über die Konzentrationen im Blutkreislauf. Im fortgeschrittenen reproduktiven Alter können ungünstige Östrogenmetabolitmuster, eine gestörte Methylierung oder eine übermäßige Umwandlung hin zu proliferativen oder entzündlichen Stoffwechselwegen trotz „normaler“ Serum-Östradiolwerte zu einer verminderten endometrialen Rezeptivität oder zu frühen Fehlgeburten beitragen. Ebenso können Progesteronmetabolitmuster eine Lutealphasenschwäche erklären, die bei einzelnen Serummessungen nicht erkennbar ist. Aus Sicht der IVF helfen diese Informationen, wiederholtes Implantationsversagen einzuordnen und individuellere Entscheidungen hinsichtlich Lutealunterstützung, Behandlungszeitpunkt und umfassenderer Stoffwechseloptimierung zu treffen.
Fünf-Punkte-Speichelcortisoltest Ergänzend dazu wird der Tagesrhythmus der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse kartiert. Chronischer Stress, Schlafstörungen und eine langfristige Entzündungsbelastung treten häufig bei Frauen auf, die mehrere erfolglose Schwangerschaftszyklen erlebt haben, und können zu abgeflachten oder gestörten Cortisolkurven führen. Cortisol interagiert direkt mit der Gonadotropin-Signalübertragung, der Immuntoleranz und dem Glukosestoffwechsel, die alle während der Implantation und der frühen Plazentation von entscheidender Bedeutung sind. Die Identifizierung abnormaler Cortisolmuster ermöglicht gezielte Interventionen zur Wiederherstellung des zirkadianen Rhythmus und der Stressresistenz, was wiederum die endometriale Rezeptivität und die Stabilität der frühen Schwangerschaft verbessern kann.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese Tests nicht als routinemäßiges Screening für alle IVF-Patientinnen und auch nicht als Ersatz für die konventionelle reproduktionsendokrinologische Diagnostik gedacht sind. Ihr Wert liegt in komplexen, kritischen Fällen, in denen Standardtests die unbefriedigenden Ergebnisse nicht erklären konnten. Gerade bei dieser Patientengruppe, insbesondere bei Frauen über 40, kann das Verständnis des Hormonstoffwechsels und der Stressphysiologie dazu beitragen, Behandlungsstrategien zu optimieren und beeinflussbare Faktoren anzugehen, die andernfalls den Erfolg der IVF weiterhin beeinträchtigen könnten.
Patientinnen mit wiederholten Fehlgeburten
Bei Frauen mit wiederholten Fehlgeburten geht die Diagnostik über die Beurteilung der Einnistungsfähigkeit hinaus und konzentriert sich auf die Identifizierung von Faktoren, die die frühe Embryonalentwicklung, die Plazentabildung und die Immunantwort beeinträchtigen. Da diese Patientinnen definitionsgemäß bereits die Fähigkeit zur Empfängnis gezeigt haben, verschiebt sich die klinische Frage von „Kann eine Einnistung erfolgen?“ zu „Warum kann die Schwangerschaft nicht aufrechterhalten werden?“. Diese Unterscheidung ist entscheidend, da die diagnostischen Prioritäten sich von denen bei primärer Infertilität oder eingeschränkter ovarieller Reserve unterscheiden.
Aus konventioneller Sicht umfasst die Kernuntersuchung die Beurteilung der Gebärmutterhöhle, um bestimmte Erkrankungen auszuschließen. strukturelle Anomalien Dazu gehören beispielsweise Septen, submuköse Myome, Verwachsungen oder eine ausgeprägte Adenomyose, die die Einnistung oder die Plazentaanhaftung beeinträchtigen können. Auch genetische Faktoren spielen eine zentrale Rolle. Elterliche Karyotypisierung wird in Betracht gezogen, wenn Verluste unerklärlich sind, insbesondere wenn sie früh und wiederholt auftreten, da balancierte Chromosomenumlagerungen zu wiederkehrenden aneuploiden Konzeptionen führen können. Parallel dazu embryonale Aneuploidie bleibt die häufigste Ursache für Fehlgeburten, insbesondere mit zunehmendem mütterlichen Alter, und dieser Kontext ist bei der Beratung von Patientinnen über die Prognose und die mögliche Rolle der PGT-A von entscheidender Bedeutung.
Endokrine und metabolische Faktoren sind ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Abklärung wiederholter Fehlgeburten. Schilddrüsenfunktionsstörungen, selbst in subklinischen Bereichen, sind nachweislich mit einem erhöhten Fehlgeburtsrisiko verbunden, und Prolaktinanomalien können die Gelbkörperfunktion beeinträchtigen. Blutzuckerkontrolle und Insulinsensitivität sind ebenso wichtig, da eine gestörte Glukoseverwertung und Hyperinsulinämie die frühe Plazentation und die Embryonalentwicklung negativ beeinflussen können. Diese Faktoren können subtil sein und leicht übersehen werden, wenn die Diagnostik auf ein Basisscreening beschränkt bleibt. Sie sind Bestandteil unserer Routineuntersuchungen und werden daher in die Erstdiagnostik einbezogen.
Die Beurteilung von Gerinnungs- und Immunfaktoren ist selektiver, aber bei Frauen mit charakteristischer Vorgeschichte, wie z. B. Fehlgeburten nach Feststellung fetaler Herzaktivität oder Plazentakomplikationen in vorangegangenen Schwangerschaften, von hoher Relevanz. Screening für Antiphospholipid-Syndrom Die Untersuchung auf das Antiphospholipid-Syndrom bleibt ein Standardbestandteil der Diagnostik, da es eine der wenigen klar definierten und behandelbaren Ursachen für wiederholte Fehlgeburten darstellt. Aus immunologischer Sicht ist das Antiphospholipid-Syndrom die am besten definierte und evidenzbasierte Erkrankung, die mit wiederholten Schwangerschaftsverlusten in Verbindung steht. Die Diagnostik umfasst typischerweise die Bestimmung von Lupus-Antikoagulans, Antikardiolipin-Antikörpern und Anti-β2-Glykoprotein-I-Antikörpern, die zweimal im Abstand von mindestens zwölf Wochen gemessen werden. Antiphospholipid-Antikörper beeinträchtigen die Trophoblastenfunktion, fördern die Bildung von Mikrothromben an der mütterlich-fetalen Grenzfläche und stören die Plazentaentwicklung. Wichtig ist, dass dies eine der wenigen immunvermittelten Ursachen für Fehlgeburten ist, bei denen die Behandlung mit niedrig dosiertem Aspirin und Heparin nachweislich die Prognose verbessert. Daher bleibt die Untersuchung ein Standardbestandteil der Diagnostik.
Über das Antiphospholipid-Syndrom hinaus Immuntests Die Thematik wird differenzierter und kontroverser. Eine abnorme Aktivität natürlicher Killerzellen, ein verändertes Th1/Th2-Zytokingleichgewicht oder eine übermäßige Entzündungsreaktion wurden als mögliche Ursachen für Fehlgeburten diskutiert, insbesondere bei Frauen mit Implantationsversagen oder Fehlgeburten nach nachgewiesener fetaler Herzaktivität. Obwohl diese Befunde auf ein ungünstiges Immunmilieu der Gebärmutterschleimhaut hindeuten können, ist bei ihrer Interpretation Vorsicht geboten. In vielen Fällen korrelieren die Serumspiegel nicht mit den Endometriumspiegeln. Viele Immunmarker unterliegen Schwankungen und weisen keine standardisierten Schwellenwerte auf; abnorme Ergebnisse bedeuten daher nicht automatisch einen ursächlichen Zusammenhang.
Thrombophilie-Beurteilung Die Untersuchung von Thrombophilie und Immunologie überschneidet sich zwar mit immunologischen Tests, zielt aber auf einen anderen Mechanismus ab: eine gestörte Plazentaperfusion aufgrund von Gerinnungsstörungen. Erbliche Thrombophilien wie MTHFR, Faktor-V-Leiden, Prothrombin-Genmutationen oder ein Mangel an Protein C, Protein S und Antithrombin werden eher mit Schwangerschaftskomplikationen als mit frühen Fehlgeburten an sich in Verbindung gebracht, darunter Spätaborte, vorzeitige Plazentalösung und Präeklampsie. Umfassendere Thrombophilie- und Immunologietests erfordern ein sorgfältiges klinisches Urteilsvermögen, um eine Überinterpretation zu vermeiden. Sie können jedoch in ausgewählten Fällen, wenn sie sich an der Anamnese orientieren und nicht wahllos eingesetzt werden, aufschlussreich sein.
Bei Patientinnen mit anhaltenden, ungeklärten Fehlgeburten, insbesondere älteren Patientinnen oder solchen, die mehrere Versuche der assistierten Reproduktion hinter sich haben, kann die Untersuchung des Hormonstoffwechsels und der Stressphysiologie zu einem tieferen Verständnis beitragen. Niederländische Tests Die Untersuchung ermöglicht die Analyse von Östrogen- und Progesteronmetaboliten anstelle der alleinigen Betrachtung der Serumspiegel. Dadurch können Ungleichgewichte im Östrogenstoffwechsel oder eine unzureichende Progesteronaktivität im Gewebe aufgedeckt werden, selbst wenn die zirkulierenden Konzentrationen im Normbereich liegen. Solche Muster können dazu beitragen, die Anfälligkeit in der Lutealphase, veränderte Signalgebung im Endometrium oder entzündliche Tendenzen zu erklären, die zu frühen Fehlgeburten führen können.
Bei sorgfältiger Integration trägt dieses erweiterte Testkonzept dazu bei, die Abklärung wiederholter Fehlgeburten von einer rein Checklisten-basierten Vorgehensweise hin zu einem individuelleren Verständnis der Ursachen für das Ausbleiben einer Schwangerschaft zu entwickeln. Bei diesen Patientinnen, insbesondere in fortgeschrittenem reproduktionsfähigen Alter, kann die Identifizierung und Behandlung veränderbarer systemischer Faktoren nicht nur die Chance auf eine Schwangerschaft, sondern auch die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen und dauerhaften Schwangerschaft verbessern.
Hormontests und ihre Normalbereiche
Prüfen | Typischer Referenzbereich (Frauen im reproduktionsfähigen Alter) | Alternative Einheiten / Anmerkungen |
AMH (Anti-Müller-Hormon) | ~1,0–4,0 ng/ml Die Vorgehensweisen unterscheiden sich je nach Labor, daher sollten Sie sich an den Referenzen der Labore orientieren. | ≈7–28 pmol/L (1 ng/mL ≈ 7,14 pmol/L); die Werte nehmen mit dem Alter ab |
FSH (Tag 2–3) | ~3–10 IU/L | Leicht erhöhte Werte (10–12 IU/L) können noch akzeptabel sein; Werte über 12–15 IU/L deuten auf eine verminderte Reserve hin. |
LH (Tag 2–3) | ~2–10 IU/L | Die Interpretation hängt von der Zyklusphase und dem FSH-Verhältnis ab. |
Estradiol (E2, Tag 2–3) | ~25–75 pg/ml | ≈90–275 pmol/L (1 pg/mL ≈ 3,67 pmol/L) |
Prolaktin | ~5–25 ng/ml | ≈100–500 mIU/L (laborabhängige Umrechnung); Stress und Zeitpunkt beeinflussen die Ergebnisse |
TSH | ~0,5–2,5 mIU/L (Zielwert vor der Empfängnis) | Viele IVF-Programme streben einen Wert von <2,5 mIU/L an. |
Kostenloses T4 (fT4) | ~0,8–1,8 ng/dL | ≈10–23 pmol/L |
AFC (Antralfollikelzahl) | Insgesamt etwa 8–20 (beide Eierstöcke) | Altersabhängig; <5 niedriges, >20 hohes Ansprechrisiko |
DHEA-S | ~35–430 µg/dL | ≈0,9–11,6 µmol/L; nimmt mit dem Alter ab |
Gesamt-Testosteron | ~15–70 ng/dL | ≈0,5–2,4 nmol/L |
SHBG | ~30–120 nmol/L | Höhere Werte verringern das freie (bioverfügbare) Testosteron. |
So sollte eine ideale Testung einer Frau in Form einer Liste aussehen:
1- Transvaginale Ultraschalluntersuchung zur Beurteilung der antralen Follikelzahl am 2. oder 3. Tag der Menstruation.
2- AMH, FSH, LH, Estradiol, Prolaktin, TSH und fT4 am selben Tag wie die Ultraschalluntersuchung.
3- CBC, Vitamin D, Vitamin B12, Folsäure, Nüchternblutzucker, Nüchterninsulin, HOMA-IR, HbA1c, Apo B, Gesamtcholesterin, LDL, HDL, Triglyceride.
Für Patientinnen mit vorangegangenen erfolglosen Behandlungszyklen, PCOS und/oder Patientinnen über 35 Jahren:
Standardliste oben + SHBG, Gesamt-Testosteron, DHEAS.
Für Patienten ab 40 Jahren, die sich einer Behandlung mit Zytoplasmatransfer/MRT unterziehen:
Alle oben genannten Tests +
Niederländische Tests auf Urinmetaboliten
5-Punkte-Speichelcortisoltest.
Für Patientinnen mit wiederholten Fehlgeburten
Standardliste + Antiphospholipid-Test, Thrombophilie-Test, NK, Th1/Th2, DUTCH.
Letztendlich sollte jede angeordnete Untersuchung zu einer klaren, umsetzbaren Entscheidung führen. Tests nur um ihrer Vollständigkeit willen, ohne einen realistischen Handlungsplan, verbessern die IVF-Ergebnisse nicht und führen oft zu Verwirrung, Kosten und emotionaler Belastung. Ein Ergebnis ist nur dann wertvoll, wenn es klinische Entscheidungen wie die Protokollwahl, die Medikamentenauswahl, den Zeitpunkt oder unterstützende Maßnahmen maßgeblich beeinflusst.
Wenn umfassende Tests angeordnet werden, „um alles abzuklären“, werden häufig grenzwertige oder unzureichend validierte Auffälligkeiten festgestellt, für die es keine nachgewiesene Behandlung gibt oder deren Relevanz für den Schwangerschaftserfolg unklar ist. In solchen Fällen kann die Testung mehr Unsicherheit als Klarheit schaffen und den Fokus von den wirklich wichtigen Faktoren ablenken. Ein gezielter Ansatz hingegen priorisiert Untersuchungen, die entweder frühere Misserfolge erklären oder den Weg für spezifische, evidenzbasierte Interventionen ebnen.
Ziel der prä-IVF-Diagnostik ist es daher nicht, alles Messbare zu testen, sondern das zu erfassen, was sich konkret nutzen lässt. Durchdachte, zielgerichtete Tests gewährleisten, dass jedes Ergebnis einen Mehrwert für die Behandlungsstrategie bietet, eine individuelle Entscheidungsfindung unterstützt und letztendlich die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen und dauerhaften Schwangerschaft erhöht.
